Themenheft der Psychologischen Rundschau

Psychologischen Rundschau (2012), Ausgabe 63(1),1-2 „Modellierung von Kompetenzen im Bereich der Bildung: Eine psychologische Perspektive“

Anfang des Jahres 2012 erschien das Themenheft der Psychologischen Rundschau (Ausgabe 63 (1), 1–2) mit dem Titel „Modellierung von Kompetenzen im Bereich der Bildung: Eine psychologische Perspektive“ mit sechs Beiträge aus verschiedenen Projekten des Schwerpunktprogramms, die sich unter einer vornehmlich psychologischen Perspektive mit der Modellierung von Kompetenzen beschäftigen. Das Themenheft wurde herausgegeben von Jens Fleischer, Detlev Leutner und Eckhard Klieme.

Das Themenheft bietet zwar einen relativ umfassenden Überblick über die Arbeiten des Schwerpunktprogramms, ohne jedoch den Anspruch zu erheben, dieses in seiner inhaltlichen Breite erschöpfend abzubilden (siehe hierzu z. B. Klieme, Leutner & Kenk, 2010).

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Im Folgenden finden Sie einen kurzen Abriss zu den jeweiligen Beiträgen.

 

Hängen Diagnostische Kompetenz und Beratungskompetenz von Lehrkräften zusammen? 

Beitrag aus dem Projekt „Beratungskompetenz“ von Julia Klug, Simone Bruder, Sylvana Keller und Bernhard Schmitz

Im diesem Beitrag des Themenhefts werden die theoretischen und empirischen Beziehungen zwischen diagnostischer Kompetenz und Beratungskompetenz von Lehrkräften beschrieben, wobei es sich um zwei zentrale Aufgaben des Lehrerberufs handelt. Auch wenn die dargestellten Analysen keine Kausalaussagen zulassen, ist doch anzunehmen, dass der oft postulierte Zusammenhang zwischen beiden Kompetenzen, der nun auch empirisch gezeigt werden kann, dafür spricht, dass eine gründliche Diagnostik einem guten Beratungsgespräch vorausgeht.

 

Kognitionspsychologische Aspekte eines Kompetenzmodells zur Bild-Text-Integration

Beitrag aus dem Projekt „BiTe“ von Mark Ullrich, Wolfgang Schnotz, Holger Horz, Nele McElvany, Sascha Schroeder und Jürgen Baumert

Untersucht wird im zweiten Beitrag, ausgehend von kognitionspsychologischen Überlegungen zur gemeinsamen Verarbeitung von verbalen und visuellen Informationen, die Struktur der Kompetenz zur integrativen Verarbeitung von Texten und Bildern. Hierbei zeigt sich, dass die postulierte multidimensionale Struktur aufgrund hoher Korrelationen zwischen den einzelnen Skalen durch die verwendeten Testmodelle nur unzureichend abgebildet werden kann. Die Autoren diskutieren alternative Modellierungsstrategien, die jedoch aufgrund der Struktur der bisher vorliegenden Daten noch nicht angewendet werden konnten.

 

Entwicklung und wechselseitige Effekte von metakognitiven und bereichsspezifischen Wissens-komponenten in der Sekundarstufe

Beitrag aus dem Projekt „EWIKO“ von Cordula Artelt, Nora Neuenhaus, Klaus Lingel und Wolfgang Schneider

Im dritten Beitrag werden die Entwicklungsverläufe von metakognitivem Wissen und fachspezifischen Kompetenzen untersucht, und zwar bezogen auf die Domänen Deutsch und Englisch. Sowohl für das metakognitive Wissen als auch für die fachspezifischen Kompetenzen zeigen sich hierbei bedeutsame Zuwächse, die teilweise in Abhängigkeit von der Schulform variieren. Die Autoren können darüber hinaus zeigen, dass sowohl inter-individuelle Unterschiede als auch intra-individuelle Kompetenzentwicklungen in beiden Domänen zu einem nicht unerheblichen Ausmaß durch metakognitives Wissen erklärt werden können.

 

Lernstrategische Teilkompetenzen für das selbstregulierte Lernen aus Sachtexten

Beitrag aus dem Projekt „Selbstregulationskompetenz“ von Melanie Schütte, Joachim Wirth und Detlev Leutner

Im vierten Beitrag werden Teilkompetenzen des selbstregulierten Lernens aus Sachtexten untersucht. Hierzu werden von den Autoren neue Verfahren zur separaten Erfassung der einzelnen Teilkompetenzen entwickelt und evaluiert. Die Autoren können zeigen, dass die erfassten Teilkompetenzen einen Einfluss auf den Lernerfolg haben und die entwickelten Instrumente zudem geeignet sind, lernstrategische Defizite von Schülerinnen und Schülern zu diagnostizieren.

 

Analytische und dynamische Problemlösekompetenz im Lichte internationaler Schulleistungsvergleichsstudien

Beitrag aus den Projekten „Problemlösen“ und „Dynamisches Problemlösen“ von Detlev Leutner, Jens Fleischer, Joachim Wirth, Samuel Greiff und Joachim Funke

Die Autoren stellen im fünften Beitrag zentrale Befunde internationaler Schulleistungsvergleichs-studien zur analytischen und dynamischen Problemlösekompetenz dar. Außerdem berichten die Autoren zwei Studien zum Lösen analytischer und dynamischer Probleme, deren Ergebnisse für beide Kompetenzbereiche eine dreidimensionale Struktur nahelegen. Substanzielle Korrelationen dieser Dimensionen, insbesondere mit mathematisch-naturwissenschaftlichen Kompetenzen, lassen darüber hinaus erwarten, dass  Maßnahmen zur Förderungen einzelner Kompetenzdimensionen des Problemlösens auf die Entwicklung fachlicher Kompetenzen transferieren.

 

Konstruktvalidierung und Skalenbeschreibung in der Kompetenzdiagnostik durch die Vorhersage von Aufgabenschwierigkeiten

Beitrag aus den Projekten „MAT“ und „MIRT“ von Johannes Hartig und Andreas Frey

Im sechsten Beitrag diskutieren Hartig und Frey den generellen Nutzen der systematischen Erklärung von Itemschwierigkeiten durch Itemmerkmale zur Validierung, Skaleninterpretation und Optimierung der Itemkonstruktion. Anhand eines empirischen Beispiels für die Kompetenz Englisch Leseverstehen zeigen die Autoren, dass sowohl die sprachlichen Anforderungen eines Textes als auch Anforderungen hinsichtlich der Informationsverarbeitung für die Modellierung und Messung der Kompetenz bedeutsam sind.

Das Themenheft schließt mit einem Kommentar von Alexander Renkl, der die Beiträge kritisch würdigt.