Inhalte und Ziele

Leitfragen für die Forschung über Kompetenzmodellierung

Die Vermittlung von Kompetenzen ist ein zentrales Ziel schulischer und beruflicher Bildung. Die empirische Bildungsforschung befasst sich unter anderem mit der theoretischen Beschreibung von Kompetenzen, ihrer Messung und ihren Entwicklungsbedingungen.

Die Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützte vom Herbst 2007 bis Ende 2013 das auf Initiative von Prof. Dr. Klieme (DIPF) und Prof. Dr. Leutner (Universität Duisburg-Essen) eingerichtete Schwerpunktprogramm (SPP) „Kompetenzmodelle zur Erfassung individueller Lernergebnisse und zur Bilanzierung von Bildungsprozessen“.

Inhaltlich befasste sich das SPP mit den erziehungswissenschaftlichen, kognitionspsychologischen und fachdidaktischen Grundlagen, psychometrischen Modellen sowie konkreten Technologien zur Messung von Kompetenzen. Für das SPP sind Kompetenzen definiert als kontextspezifische kognitive Leistungsdispositionen, die sich funktional auf Situationen und Anforderungen in bestimmten Domänen  im Sinne von spezifischen Lern- und Handlungsbereichen beziehen. Kompetenzen werden durch Erfahrung und Lernen erworben und können durch äußere Interventionen beeinflusst werden.

 

Ziele

Der Beitrag von Bildung und Ausbildung zur gesellschaftlichen Entwicklung hängt von den erreichten Kompetenzen der Absolventen in konkreten Anforderungsbereichen ab. Beispiele sind das Beherrschen von Mutter- und Fremdsprachen, der Gebrauch mathematischer Modelle, naturwissenschaftliches Verständnis oder das Lernen und Problemlösen in alltags- und berufsrelevanten Bereichen. Hinsichtlich der Förderung solcher Kompetenzen weist das deutsche Bildungswesen, wie internationale Vergleichsstudien gezeigt haben, Schwächen auf.

In der empirischen Bildungsforschung werden kognitionspsychologische und fachdidaktische Grundlagen, psychometrische Modelle sowie konkrete Messverfahren entwickelt, mit denen solche internationalen Vergleiche erst möglich werden. Im nationalen Rahmen dient Kompetenzmessung zunehmend als Grundlage für bildungspolitische Steuerung ebenso wie zur Begründung von pädagogischen Entscheidungen (z.B. Förderempfehlungen) im Einzelfall. Der Messung von Kompetenzen kommt somit eine Schlüsselfunktion für die Optimierung von Bildungsprozessen und für die Weiterentwicklung des Bildungswesens zu.

Dennoch wird in Bildungspraxis und Bildungspolitik häufig unterschätzt, wie anspruchsvoll die empirische Erfassung von Kompetenzen aus theoretischer und methodischer Perspektive ist. Die Entwicklung sowohl theoretisch als auch empirisch fundierter Kompetenzmodelle als Ausgangspunkt für die Entwicklung adäquater Messverfahren stellt immer noch eine Herausforderung dar. Auch im internationalen Rahmen besteht noch Bedarf an interdisziplinärer Forschung, die theoretische Grundlagen, psychometrische Modelle und Messverfahren systematisch verknüpft und damit neue Perspektiven und eine neue Qualität für die Messung von Lernvoraussetzungen und Lernergebnissen schafft. 

Das Schwerpunktprogramm „Kompetenzmodelle zur Erfassung individueller Lernergebnisse und zur Bilanzierung von Bildungsprozessen“ soll die wissenschaftlichen Anstrengungen zur Bewältigung dieser Herausforderungen über Fachdisziplinen hinweg bündeln und koordinieren; kognitiv orientierte Experten auf den Gebieten einzelner bereichsspezifischer Kompetenzen sollen mit Experten auf dem Gebiet des Messens und Testens zusammen gebracht werden. Ziel ist es, Kompetenzstruktur- und Kompetenzentwicklungsmodelle zu erarbeiten und empirisch zu prüfen, anhand derer sich valide und faire Messinstrumente konstruieren lassen. Abgerundet wird das Programm durch Forschung zur Nutzung von kompetenzbezogenen Messinstrumenten in unterschiedlichen pädagogischen Entscheidungskontexten. Die rasche Fortentwicklung avancierter psychometrischer Modelle und neuer Technologien sowie modellgeleitete Untersuchungen von Nutzungskontexten lassen hierbei deutliche Fortschritte erwarten – und zwar sowohl für die Bildungsforschung als auch für die Bildungspraxis.

 

 

Allgemeines zu den Aufgaben der Koordination

Neben kontinuierlichen Aufgaben, wie z.B. der Betreuung der Webseite mit Mitgliedsbereich und der Kommunikation mit den Projekten, standen die Veranstaltungen im Mittelpunkt der Arbeit. Zweimal im Jahr haben sich SPP-Mitglieder an wechselnden Orten in Deutschland getroffen: Im Frühjahr wurde eine Fortbildung für die Promovierenden angeboten; im Herbst fand das Jahreskolloquium statt, bei dem sich alle Projekte untereinander austauschen und Rückmeldung zu ihren Forschungsarbeiten erhalten konnten. Dazu wurden auch internationale und deutsche Gäste eingeladen, die im Gebiet der Kompetenzdiagnostik und Kompetenzmodellierung forschen, um sich Anregungen zum aktuellen Forschungsstand z.B. in den USA einzuholen und auch die Ergebnisse des SPP zu präsentieren.
Die Forscherinnen und Forscher im SPP wurden auch durch Gleichstellungsmaßnahmen zur Unterstützung bei familiären Verpflichtungen und zur berufsbezogenen Förderung von Frauen sowie durch ein Mentoring-Netzwerk unterstützt. Zusätzlich gab es die Möglichkeit der Förderung von Gastaufenthalte im Ausland für Post-Doktorandinnen und Post-Doktoranden sowie Doktorandinnen und Doktoranden durch finanzielle Zuschüsse.

Allgemeine Informationen

Flyer über das Schwerpunktprogramm

Nachricht zur Einrichtung des Schwerpunktprogramms (Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, Juni 2006)

Rahmenantrag des Schwerpunktprogramms

Projektkoordination

Sprecher und MitarbeiterInnen