Umweltkompetenz

Umweltbildung zur Förderung umweltspezifischer Handlungs- und kognitiv-emotionaler Kompetenzen (Bogner / Kaiser; 2007-2009)

Kurzbeschreibung

Laufzeit: 2007-2009

 

Umweltbildung wird in der Regel als eine Art "neuer" Allgemeinbildung--im Sinne von Bewusstseins- und Wertewandel--verstanden. Demgegenüber wird in der Umweltpsychologie zunehmend deutlich, dass vor allem spezifischen Handlungs- und kognitiv-emotionalen Kompetenzen eine große, wenn nicht die entscheidende Bedeutung beim Hervorbringen umweltgerechten Handelns zukommt. Im Kern unseres Forschungsvorhabens steht die Entwicklung eines empirisch fundierten ökologiespezifischen Kompetenzmodells sowie langfristig die Modellierung des Entwicklungsverlaufs während der primären Erwerbsphase von der frühen Jugend- bis ins junge Erwachsenenalter. Alle dabei betroffenen Handlungs- und kognitiv-emotionalen Kompetenzen werden psychometrisch auf der Basis der Familie der Rasch-Modelle beschrieben und im Rahmen von Strukturgleichungs- und/oder Mehrebenenanalyseverfahren modelliert. Erklärtes Ziel der ersten (hiermit beantragten) Förderungsphase ist es, (a) das bislang noch fragmentiert vorhandene Wissen zu den umweltspezifischen Handlungs- und kognitiven Kompetenzen theoretisch-empirisch zu integrieren und dabei (b) erste Hinweise auf Entwicklungsverläufe im Jugendalter zu erhalten. (c) Darüber hinaus soll das bislang erst sehr vorläufig entwickelte Verfahren zur Messung der kognitiv-emotionalen Disposition "Identifikation mit der natürlichen Umwelt" auf eine theo­retisch und psychometrisch solide Basis gestellt werden.


Forschungsstand 2009

Ziel dieses Projekts ist die Modellierung von Umweltkompetenz, ihres zeitlichen Verlaufs (Entwicklung) sowie die Exploration ihrer didaktischen Förderbarkeit. Für die erste Förderungsphase war zunächst (a) die Adaptation und Neuentwicklung von Messinstrumenten zur Erfassung einzelner umweltspezifischer Fähigkeiten und der allgemeinen Umwelthandlungskompetenz geplant. (b) Mit diesen Messinstrumenten sollte dann ein formal beschreibbares, theoretisch plausibles und mit der Literatur vereinbares Umweltkompetenzmodell an einer großen Stichprobe von Jugendlichen validiert werden. Gleichzeitig war vorgesehen, ein Umweltbildungspanel zur Erforschung des Entwicklungsverlaufs der Umweltkompetenz zusammenzustellen. (c) Darüber hinaus war geplant, erste Hinweise auf die Hintergründe der Entstehung und den spontanen Entwicklungsverlauf der Umweltkompetenz zusammenzutragen.
In einer ersten empirischen Arbeit anhand einer Erwachsenenstichprobe bestehend aus 1.492 Personen wurde ein Messinstrument zur Erfassung der Verbundenheit mit der Natur entwickelt, das die messtechnischen Probleme bestehender Verfahren überwindet. Dieses kognitiv weniger anspruchsvolle Instrument zur Erfassung individueller Differenzen in der persönlichen Naturverbundenheit hat sich als zuverlässig und valide herausgestellt. Entsprechend ist es für den weiteren Einsatz in unserem Projekt geeignet. Um die Skala für Jugendliche zu adaptieren, mussten lediglich ein paar kleinere sprachliche Veränderungen vorgenommen werden.
In einer zweiten empirischen Erhebung zur Validierung des von uns theoretisch abgeleiteten Umweltkompetenzmodells wurden anschließend bei 1.922 Sechst- bis Achtklässlern bayerischer Realschulen und Gymnasien Umwelthandlungskompetenz, Naturverbundenheit sowie Umweltwissen (bestehend aus System-, Handlungs- und Wirksamkeitswissen) erfasst.
Erste Analysen der Daten haben ergeben, dass die 12-14-Jährigen unserer Stichprobe ein recht niedriges Wissensniveau aufweisen, besonders ausgeprägt ist dies beim Wirksamkeitswissen. Diese Ergebnisse sind konform mit bisherigen Resultaten aus Studien mit Erwachsenen-Stichproben (vgl. Frick, Kaiser & Wilson, 2004). Eine Modellierung der von uns postulierten Zusammenhangsstruktur umweltspezifischer Teilkompetenzen zeigte, dass Umweltwissen als notwendige Bedingung von Umwelthandeln angesehen werden kann, wobei Umweltsystemwissen--wie postuliert--Umwelthandlungskompetenz nur indirekt über Handlungswissen beeinflusst. Wirksamkeitswissen hatte jedoch entgegen der Annahmen keinen signifikanten Effekt auf die Handlungskompetenz. Naturverbundenheit ließ sich als motivationale Quelle für ökologisches Verhalten bestätigen: Die in der Literatur bereits etablierte Verhaltenswirksamkeit von Naturverbundenheit wurde im Rahmen unseres Modells repliziert, des Weiteren findet sich ein signifikanter, ebenfalls von uns hypothetisierter Zusammenhang zwischen Umweltsystemwissen und Naturverbundenheit.
Anhand der Personenparameterschätzungen für Naturverbundenheit haben wir extrem hoch und niedrig naturverbundene Schüler ermittelt, die in nächster Zeit mittels strukturierter Interviews befragt werden. Wir erwarten uns von diesen Interviews Indizien auf mögliche Hintergründe von Naturverbundenheit. Diese Hinweise werden uns im Gegenzug nicht nur Einblicke in die Validität unserer theoretischen Überlegungen verschaffen, sondern auch bei der Weiterentwicklung und Verfeinerung der zu entwickelnden unterrichtsergänzenden und unterrichtsbegleitenden Bildungsmaßnahmen helfen.

 

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