Bewertungskompetenz

Bewertungskompetenz für systematisches Entscheiden in komplexen Situationen Nachhaltiger Entwicklung (Bögeholz / Eggert / Hasselhorn / Watermann; 2007-2013)

Kurzbeschreibung

Laufzeit seit 2007

Was befähigt Personen in komplexen Situationen im Sinne Nachhaltiger Entwicklung systematisch und begründet zu entscheiden? Dies ist eine zentrale Frage zur Umsetzung des Kompetenzbereichs Bewertung der nationalen Bildungsstandards für das Fach Biologie. Das Projekt zielt auf eine Fundierung des theoretisch hergeleiteten Göttinger Modells der Bewertungskompetenz. Bewertungskompetenz besteht demnach aus den Teilkompetenzen „Kennen und Verstehen Nachhaltiger Entwicklung“, „Kennen und Verstehen von Werten und Normen“, „Generieren und Reflektieren von Sachinformation“ sowie „Bewerten, Entscheiden und Reflektieren“. Inwiefern lassen sich Indikatoren für diese Teilkompetenzen identifizieren? Welche Beziehungen bestehen zwischen den Teilkompetenzen und ggf. deren Indikatoren? Wie kann Bewertungskompetenz im Kontext Nachhaltiger Entwicklung angemessen kognitiv diagnostisch modelliert werden? Im Kern des vorliegenden Vorhabens steht die psychometrische Modellierung von Bewertungskompetenz bzw. seiner Teilkompetenzen, deren Validierung sowie die Entwicklung entsprechender Messverfahren. 

 

Forschungsstand 2009

Das Forschungsvorhaben zielt auf eine empirische Fundierung des aus der Theorie hergeleiteten Göttinger Modells der Bewertungskompetenz für Gestaltungsaufgaben Nachhaltiger Entiwicklung im Fach Biologie. Das Modell besteht aus zwei prozeduralen Teilkompetenzen, namentlich "Generieren und Reflektieren von Sachinformationen" und "Bewerten, Entscheiden und Reflektieren" sowie zwei konzeptuellen Teilkompetenzen "Kennen und Verstehen Nachhaltiger Entiwicklung" und "Kennen und Verstehen von Werten und Normen". In der Laufzeit der I. Phase des Schwerpunktprogramms werden 1. für jede der beiden prozeduralen Teilkompetenzen Indikatoren identifiziert, 2. beide prozeduralen Teilkompetenzen empirisch modelliert und validiert, 3. für jede der beiden prozeduralen Teilkompetenzen entsprechende Niveaus empirisch identifiziert, 4. Zusammenhänge zwischen den prozeduralen Teilkompetenzen identifiziert und  mehrdemensional modelliert sowie 5.  Vorarbeiten für eine konvergente Validierung von Bewertungskompetenz geschaffen. Zentrale vorliegende Zwischenergebnisse (Nach ca. 1 Jahr Projektlaufzeit) sind ein Fragebogen zu den beiden prozeduralen Teilkompetenzen von Bewertungskompetenz. Der Fragebogen besteht aus zwei Bausteinen: 1. "Fragebogen zum Bewerten, Entscheiden und Reflektieren" und 2. "Fragebogen zum Verarbeiten von Sachinformationen bei Fragen einer zukunftsfähigen Gestaltung unserer Umwelt". Diese beiden Fragebogenbausteine basieren auf einer aufwendigen Aufgabenentwicklung. Offene Aufgaben wurden entwickelt und mit Hilfe von Lauten Denkens getestet (N = 8). Auf Basis der Erkenntnisse wurden quantitative Aufagebn entwickelt, die im Rahmen eines Expertenpannellings mit erfahrenen Lehrkräften optimiert wurden. Weitere Optimierungen erfolgten über eine quantitative Pilotierungssstudie (N = 60) mit einer 6. und einer 12. Klasse. Derzeit läuft eine Studie zu beiden prozeduralen Teilkompetenzen mit N = 550 Schülerinnen und Schülern der Klassen 6, 8, 10 und 12. Ein zweites zentrales Produkt stellen die beiden Scoring Guides für die prozeduralen Teilkompetenzen dar.  Für "Bewerten, Entscheiden und Reflektieren" ist der Scoring Guide publiziert. Für die Teilkompetenz "Generieren und Reflektieren von Sachinformationen" wurde der Scoring Guide auf Basis der Studie mit Protokollen Lauten Denkens konstruiert und in der ersten quantitativen Politierung mit offenen Aufgaben weiter entwickelt. Aus den bisherigen Untersuchungen ergaben sich disgnostische Perspektiven zur Messung der entsprechenden Bildungsstandards Biologie. Die Projektergebnisse ermutigen dazu,  bei der Modellierung und Validierung der konzeptuellen Teilkompetenzen vergleichbar vorzugehen. Damit werden Vorraussetzungen für mehrdimensionale  Modellierungen aller vier Teilkompetenzen  von Bewertungskompetenz geschaffen. Weiterhin werden dadurch Interventionsstudien zur konvergenten Validierung der einzelnen Teilkompetenzen von Bewertungskompetenzen in den Phasen II und III des Schwerpunktprogramms ermöglicht.

 

Forschungsstand 2011

Die interdisziplinär zusammengesetzte Projektgruppe ist nun seit gut drei Jahren vorrangig damit beschäftigt, die Teilkompetenzen von Bewertungskompetenz gemäß dem Göttinger Modell objektiv, reliabel, valide und änderungssensitiv messbar zu machen. Im ersten Schritt (I. Förderphase) konnte die Teilkompetenz „Bewerten, Entscheiden und Reflektieren“ mit Hilfe des Partial Credit Modells modelliert und validiert werden (Eggert & Bögeholz, 2010). Für die zweite Teilkompetenz erfolgte – nach ersten empirischen Zugängen – eine weitere theoretische Fundierung durch die Entwicklung eines Rahmenkonzeptes für die Aufgabenentwicklung und -auswertung zur Erfassung der Teilkompetenz „Generieren und Reflektieren von Sachinformationen“ (Gausmann et al., 2010; Bögeholz, in Druck). Das Rahmenkonzept ermöglicht einen inhaltlich elaborierten und hoch systematischen empirischen Zugang zur Messung der Teilkompetenz. In der II. Förderphase greifen wir die erfreulichen Ergebnisse des Projektes in der I. Förderphase in folgender Weise auf und führen sie weiter:

•     Auf Basis des Rahmenkonzeptes konnte ein theoretisch fundierter und – im Rahmen einer großen Studie (N=555) – empirisch abgesicherter Scoring Guide für die Teilkompetenz  „Generieren und Reflektieren von Sachinformationen“ entwickelt werden.

•     Die Teilkompetenz „Generieren und Reflektieren von Sachinformationen“ konnte (vergleichbar dem Ansatz Eggert & Bögeholz, 2010) mit dem Partial Credit Modell modelliert und validiert werden.

•    Für die Teilkompetenz „Bewerten, Entscheiden und Reflektieren“ konnte eine Erweiterung des entwickelten Messinstrumentes um Änderungssensitivität vorgenommen werden (Eggert et al., in Druck).

•    Für die dritte Teilkompetenz „Verstehen und Reflektieren von Werten und Normen im Kontext Nachhaltiger Entwicklung“ wird der bewährte, Erfolg versprechende Weg der eindimensionalen Modellierung jeder einzelnen Teilkompetenz zunächst weiter verfolgt – bevor schließlich mehrdimensionale Modellierungen am Ende der II. Förderphase vorgenommen werden.

Die Angemessenheit des gewählten Zugangs in Eggert und Bögeholz (2006, 2010) sowie deren theoretische und empirische Fundierung (Eggert et al., in Druck; Bögeholz, in Druck) wird mit den bisherigen Untersuchungen unterstützt.

Nach der II. Förderphase wird das Göttinger Modell der Bewertungskompetenz modelliert und validiert vorliegen sowie ein Messinstrument für Bewertungskompetenz in seinen Teilkompetenzen für die Sekundarstufe I und II zur Verfügung stehen. Am Ende der beantragten III. Förderphase soll zudem eine experimentelle Validierung von Bewertungskompetenzen in Abgrenzung zu Problemlösekompetenz erfolgt sein.

Während der ersten beiden Förderphasen ergaben sich zudem diagnostische Perspektiven zur Messung der entsprechenden Bildungsstandards in den Naturwissenschaftlichen Fächern. Frau Bögeholz und Frau Eggert beraten im Projekt ESNaS (Evaluation der Standards in den naturwissenschaftlichen Fächern der Sekundarstufe I) die Fachdidaktische Leitung sowie das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB). Darüber hinaus führen sie im Rahmen einer Forschungskooperation mit dem IQB im Kontext des Nationalen Assessments zur Messung des Kompetenzbereichs Bewertung (KMK, 2005) ergänzende Validierungsstudien durch.

 

 

Informationen über alle Projekte

Projektreader mit Kurzbeschreibung und Forschungsstand 2011