Multidimensionale Kompetenzstrukturen in der beruflichen Bildung (ehem. Berufspädagogik)

Einflüsse betrieblicher und schulischer Ausbildungsvarianten auf die Kompetenz- und Motivationsentwicklung [kooptiertes Projekt] (Nickolaus; 2007-2013)

Kurzbeschreibung

Laufzeit seit 2007

Ziele und Forschungshypothesen:

Mit dem Projekt werden am Beispiel des Ausbildungsberufs Kfz-Mechatroniker/-in drei Zielkomplexe verfolgt, die im Folgenden benannt und ausdifferenziert werden:

1. Neu- und Weiterentwicklung von Erhebungsinstrumenten: Berufsfachliche Kompetenzen, die sich auf einfache und leicht routinisierbare Tätigkeitsbereiche beziehen, werden gegenwärtig oft mit Papier-und-Bleistift-Tests erfasst. Da fraglich ist, inwiefern eine schriftliche Kompetenzerfassung in solchen Tätigkeitsbereichen valide Ergebnisse erbringt, wird ein neues Testformat entwickelt. Dieses Testformat umfasst Filmsequenzen (Videovignetten) zu fachspezifischen Handlungsabläufen und Aufgaben, welche die Beurteilung gezeigter Handlungsabläufe und –ergebnisse sowie die Fortschreibung unterbrochener Handlungen erfordern. Weiterhin wird auf Basis bestehender Persönlichkeits- und Motivationstests ein für den berufsbildenden Bereich geeigneter Test zur Anstrengungsbereitschaft entwickelt. Ebenfalls werden bereits in Vorgängerprojekten eingesetzte Fachwissenstests sowie computersimulierte Arbeitsproben zur Diagnose von Fehlerdiagnosekompetenz modifiziert und erweitert.

2. Prüfung der Struktur berufsfachlicher Kompetenz: In Vorgängerprojekten wurde am Beispiel der Fehlerdiagnose in elektrischen und elektronischen Systemen gezeigt, dass Fachwissen und Fertigkeiten, d. h. die Fähigkeit, dieses Fachwissen anzuwenden, empirisch unterscheidbare Kompetenzfacetten darstellen. Im aktuellen Projekt wird untersucht, ob sich diese zweidimensionale Struktur auch in anderen Tätigkeitsbereichen zeigt. Erwartet wird, dass die mit dem videobasierten Testformat diagnostizierten, stark anwendungsbezogenen Kompetenzen im Tätigkeitsbereich „Standardservice“ und das Standardservice-Wissen unterscheidbare Kompetenzfacetten darstellen. In Anlehnung an das Vorgängerprojekt sollten zudem innerhalb des Fachwissens verschiedene Bereiche unterscheidbar sein: Am Ende der Ausbildung werden je nach Modellierungsart fünf bzw. sechs Fachwissensdimensionen antizipiert, die sich entlang der folgenden technologischen Gegenstandsfelder strukturieren: Standardservice, Motor, Motormanagement sowie Start-/Strom-/Beleuchtungsanlage (elektrische und elektronische Systeme), Kraftübertragung und Fahrwerk.

3. Entwicklung der berufsfachlichen Kompetenzstruktur: Mit der dritten Zielstellung ist die Frage angesprochen, ob sich die Struktur des Fachwissens während der Ausbildung verändert. Unterstellt wird eine Ausdifferenzierung des Fachwissens, die sich empirisch in einer Zunahme unterscheidbarer Wissensdimensionen zeigt. Erwartet wird, dass Ende des zweiten Ausbildungsjahrs eine dreidimensionale (Standardservice, Motormanagement, Start-/Strom-/Beleuchtungsanlage) und Ende der Ausbildung – wie bereits erwähnt   eine fünf- bzw. sechsdimensionale Fachwissensstruktur feststellbar ist. In einer Entwicklungsperspektive wird bezogen auf den Standardservice ferner eine Abnahme interindividueller Unterschiede angenommen, da sich in diesem Tätigkeitsbereich aufgrund einer relativ geringen Anforderungskomplexität und zahlreicher praktischer Übungsmöglichkeiten Handlungsroutinen einstellen dürften. Allerdings lässt sich diese Abnahme der Leistungsheterogenität nur mit dem videobasierten, nicht aber dem einschlägigen schriftlichen Fachwissenstest diagnostizieren. Aus diesem Grund sollten die Korrelationen zwischen Standardservice-Wissen und den auf Basis der Filmsequenzen erfassten Standardservice-Kompetenzen am Ende des zweiten Ausbildungsjahrs höher ausfallen als am Ausbildungsende. Außerdem sollten Standardservice-Kompetenzen mit fortschreitender Übung geringer mit Fehlerdiagnosefertigkeiten assoziiert sein. Die Anstrengungsbereitschaft stellt hingegen, so die Hypothese, dauerhaft einen guten und am Ende der Ausbildung sogar den besten Prädiktor der Standardservice-Kompetenzen dar.

 

Studiendesign:

1. Die Instrumentenentwicklung erfolgt im Rückgriff auf vorhandene Testmaterialien, curriculare Analysen und Expertenbefragungen. Bevor diese Tests im Rahmen der weiteren Zielstellungen eingesetzt werden, erfolgt eine mehrstufige Testpilotierung und -optimierung anhand kleinerer Stichproben (n≈100).

2. Für die Prüfung der Struktur berufsfachlicher Kompetenz werden Ende des zweiten (n≈200) und Ende des dritten Ausbildungsjahrs (n=250) zwei Querschnittserhebungen durchgeführt.

3. Die Frage der Ausdifferenzierung des Fachwissens wird anhand eines längsschittlichen Designs geklärt. Dazu wird die Querschnittserhebung am Ende des zweiten Ausbildungsjahrs um eine Erhebung Anfang des zweiten Ausbildungsjahrs ergänzt. Die Abnahme interindividueller Leistungsunterschiede im Bereich des Standardservice wird anhand beider Querschnittserhebungen untersucht. Den weiteren, mit dem dritten Zielkomplex verbundenen Fragen wird auf Basis aller drei Stichproben nachgegangen.

 

Informationen über alle Projekte

Projektreader mit Kurzbeschreibung und Forschungsstand 2011