Kompetenzveränderungen in Deutsch- und Mathematikleistungen

Beschreibung und Erklärung von Kompetenzveränderungen in Deutsch- und Mathematikleistungen (Wilhelm / Robitzsch; 2009-2012)

Kurzbeschreibung

Laufzeit 2009-2012

 

Im Zentrum des Beitrags zum SPP stehen die Beschreibung und Erklärung sowie die Konsequenzen intraindividueller Veränderungen von Schülerleistungen in Deutsch und Mathematik in der 9. und 10. Jahrgangsstufe. Die Motivation, Veränderungen von Schülerleistungen zu untersuchen, rührt insbesondere daher, dass solche Veränderungen - rational und ohne methodische Sorgen betrachtet - die eigentlich interessierende Größe bei Schülerleistungen sind. Der Status quo von Schülerleistungen als Punktschätzung ist bei Selektionsentscheidungen eine relevante Größe. Bei der Beurteilung des Lernerfolgs von Schülerinnen und Schülern interessiert hingegen insbesondere die Veränderung gegenüber einem Referenzzeitpunkt bzw. der Verlauf solcher Veränderungen. Status quo und Veränderung lassen sich im Sinne intra- und interindividueller Vergleiche beim Vorliegen geeigneter Daten, insbesondere sogenannter intensiver Längsschnittdaten, simultan anstrengen. Bei der hier angestrebten Fokussierung auf intraindividuelle Veränderungen ist es wünschenswert, über eine größere Zahl an Messzeitpunkten zu verfügen. Das Projekt befasst sich mit methodischen Aspekten der Integration intra- und interindividueller Vergleiche in der Kompetenzdiagnostik.

 

Die Veränderungen in Schülerleistungen in Deutsch und Mathematik sind keine gut untersuchten Größen in der Kompetenzdiagnostik. Neben der Abbildung relevanter Parameter der längsschnittlichen Dynamik (z.B. Status und Veränderung) in Deutsch und Mathematikschülerleistungen ist ein zweites Ziel des Projektes Antezedenzen, Kovariate und Konsequenzen von Status und Veränderung der Schülerleistungen abzubilden. In einer umfangreichen Studie absolvieren circa 200 Schülerinnen und Schüler Berliner Gymnasien und Realschulen seit Anfang der 9. Klasse (Oktober 2008) im Abstand von 14 Tagen jeweils eine zweistündige Testsitzung. In diesen 40 Sitzungen werden jeweils Bildungsstandardaufgaben in Deutsch und Mathematik bearbeitet, sowie Daten zu einer Reihe interessierender Kovariate gesammelt (Arbeitsgedächtnis, schulische Ereignisse, relevante Selbstberichtsdimensionen). Eine Kontrollgruppe nimmt nur an den zusätzlich stattfindenden Prä- und Postmessungen (Oktober/November 2008 und Juli 2010) teil. Die Analyse der intensiven längsschnittlichen Daten mit Wachstumskurvenmodellen, autoregressiven latenten Trajektoriemodellen, Dual-Change Score Modellen, Varianten von Mehrebenenstrukturgleichungsmodellen und dynamischen Faktorenanalysen sowie die Bewertung der verschiedenen Ansätze aus der Perspektive der Kompetenzdiagnostik sind die zentralen Ziele des Projekts.

Forschungsstand 2011

In der ersten Projektphase haben wir eine intensiv-längsschnittliche Studie abgeschlossen. In der Studie absolvierten anfänglich 196 Schülerinnen und Schüler Berliner Gymnasien und Realschulen seit Anfang der 9. Klasse (Oktober 2008) im Abstand von ca. 14 Tagen jeweils eine zweistündige Testsitzung. In diesen 44 Sitzungen wurden jeweils Bildungsstandardaufgaben in Deutsch und Mathematik bearbeitet, sowie Daten zu einer Reihe interessierender Kovariate gesammelt (Arbeitsgedächtnis, schulische Ereignisse, relevante Selbstberichtsdimensionen). Eine Kontrollgruppe nahm nur an den zusätzlich stattfindenden Prä- und Postmessungen (Juni-September 2010) teil.

Das Projekt befasst sich mit methodischen Aspekten der Integration intra- und interindividueller Vergleiche in der Kompetenzdiagnostik. Wir wollen zunächst beleuchten, welche Teilleistungen bei mathematischen und verkehrssprachlichen Schülerleistungen unterschieden werden und was über die Veränderung dieser Leistungen bei jugendlichen Schülerinnen und Schülern bekannt ist oder vermutet werden kann.

Anhand der Prä- und Postmessungen einer Gymnasialstichprobe aus Teilnehmern der Studien- und Kontrollgruppen (N=168) haben wir längsschnittliche Zusammenhänge der Schülerleistungen und Schulnoten in Deutsch und Mathematik über zwei Schuljahre mittels des bivariaten Change-Score-Modells analysiert. Die Veränderung in standardisierten Schülerleistungen in Deutsch und Mathematik korrelierten nicht signifikant, die Veränderung in Schulnoten in den beiden Schulfächern war positiv korreliert. In beiden Schulfächern zeigten die Veränderung der Schülerleistungen und der Schulnoten einen positiven Zusammenhang. Allerdings fiel die Korrelation nur moderat aus, da Schulnoten aus Gründen wie z.B. Referenzrahmeneffekte auch querschnittlich nur moderat mit standardisierten Schülerleistungen korrelieren. Der Leistungszuwachs lässt sich am effektivsten mit standardisierten Schülerleistungstests quantifizieren.

Die aus der LUISE-Studie gewonnenen Daten wurden auch mittels des Random-Effekt-Modells (Oravecz et al., 2009; Lodewyckx et al., 2010) analysiert. Um zu einer ersten Abschätzung der Möglichkeiten und Schwierigkeiten bei der Anwendung spezieller Random-Effekt-Modellen zu kommen, haben wir für die Untersuchung interindividueller Unterschiede in Mathematik und Arbeitsgedächtniskapazität-Aufgaben für die ersten zwanzig Messungen ein univariates Random-Effekt-Modell spezifiziert. Hier zeigte sich eine positive Korrelation zwischen dem anfänglichen Mathematikleistungsniveau und den kognitiven Fähigkeiten

Vorliegende Analysen der Daten zeigen, dass frühe Messzeitpunkte durch relativ hohe Rateanteile kompromittiert sind. Wir wollen dieses Problem mit der Anwendung Mixture Modellen sowie Change-Point Modellen (Wang & McArdle, 2008) wirkungsvoll lösen. Die letzten Monate der Förderung der ersten Antragsphase dienen bereits der Erarbeitung von Publikationen.

 

 

Projektbeteiligte

Prof. Dr. Oliver Wilhelm

Alexander Robitzsch

Fidan Gasimova

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Projektreader mit Kurzbeschreibung und Forschungsstand 2011